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Interview mit dem Autor Keith R. Kernspecht

Das Phänomen "Ritualkampf"

Der Doktor der Kampfkünste

1987 veröffentlichte GM Keith R. Kernspecht sein Buch "Vom Zweikampf", damals wohl weltweit die erste komplexe Darstellung des Phänomens Zweikampf. Das Buch – inzwischen in englischer, italienischer, spanischer und bulgarischer Sprache erschienen – wurde von Experten und Laien gleichermaßen begeistert angenommen und verhalf dem Leung Ting-WingTsun zur Anerkennung bei den bedeutendsten polizeilichen und militärischen Eliteeinheiten der Welt.

Jetzt geht´s gleich los ...

Die Vorkampfphase

Noch heute musste GM Keith R. Kernspecht keine einzige seiner Thesen in diesem Buch revidieren, und sein darauf aufgebautes 12-stufiges Unterrichtsprogramm hat – von unzähligen Mitbewerbern kopiert – von 1980 bis Ende 1999 nicht korrigiert werden müssen.

Weshalb legte GM Keith R. Kernspecht dann ein neukonzipiertes technisches Programm und extra ein über 180 seitiges Buch vor?

Weil er seine Erkenntnisse aus "Vom Zweikampf" noch mehr zur Lösung einer in der Fachwelt weitgehend unbeachtet gebliebenen Angriffssituation nutzen wollte. Obwohl diese spezifische Art "Kampf" sich sicherlich mehrere tausend Mal im Jahr mit Körperverletzungen und tödlichen Verletzungen in Gaststätten und auf der Strasse ereignet, hat sich bisher noch kein deutschsprachiger Selbstverteidigungs-Autor intensiver mit diesem "Naturereignis" beschäftigt, was schon dadurch deutlich wird, dass GM Keith R. Kernspecht in der Verlegenheit war, diesem Phänomen selbst einen Namen geben zu müssen.

GM Kernspecht spricht vom entarteten Ritualkampf unter Männern, der mit der Frage "Ist was? Hast du ein Problem?" oder "Was guckst du so blöde?" beginnt und immer öfter mit Tritten zum Kopf und Todesfällen endet.

Dieser Ritualkampf gehört zum umfangreichen Thema Zweikampf. Wenn er auch nur ein Teilaspekt des Ganzen ist, so stellt er doch den Typ Kampf dar, der am meisten verbreitet ist und von dem jeder irgendwann mal im Leben bedroht wird, wenn er sich nicht gerade zu Hause einschließt.

Seit GM Kernspecht Konfuzius studiert, weiß er, dass man etwas, was man als richtig und nötig erkannt hat, auch konsequent in die Tat umsetzen muss. Nachdem er erkannt hatte, dass 95% seiner Schüler oder Leser mit großer Sicherheit mit der Ritualkampf-Situation konfrontiert werden, kann er sie nicht länger blauäugig auf einen Duell-Kampf vorbereiten.

Nun kommt Action ...

Einfachste WT-Techniken sind Grundlage der BlitzDefence-Programme

Schon 1987 schrieb der Großmeister, dass hier der wirkliche Kampf schon vorher stattfindet, dass der Sieger nach den kritischen Sekunden vor dem 1. Schlag feststeht. Als Pädagoge mit Leib und Seele war es sein Ziel, auch das Nicht-Technische unterrichtbar zu machen. Deshalb erforschte GM Kernspecht das Gewaltverhalten bei Tieren und Menschen. Andere gingen in Kneipen, um sich zu betrinken oder dem anderen Geschlecht näher zu treten, Kernspecht setzte sich schon als Gymnasiast und Polizeischüler mit einem Glas Orangensaft und einem Notizblock in "einschlägig" auffällige Lokale, um die männlichen Revierverteidigungs- gebaren zu untersuchen. Als ihm z.B. sein Freund, Eberhard Schneider ("Krafttraining für Kung Fu & Karate") damals begeistert berichtete, dass irgendwo in Kiel ein ehemaliger deutscher Meister im Boxen eine Kneipe hatte und sich regelmäßig und kunstvoll mit "Gästen" schlug, hatten sie nichts Eiligeres zu tun, als ihm bei dieser Verrichtung zuzuschauen. 

Schon nach wenigen Minuten wurden sie Zeuge, wie der bisher unbesiegte Meisterboxer (bei einem Streit um eine Frau!) von einem mickrigen, aber zornigen Schwächling mit einem einzigen Schlag ausgeknockt wurde. Auch sein "Weltbild" wurde schwer erschüttert, denn bisher war GM Keith R. Kernspecht Anhänger der asiatischen Philosophie vom "Geist wie Wasser", und glaubte, dass der Ruhige und Unaufgeregte, der den klaren Kopf behält, im Kampf über den Hitzkopf gewinnt. Nach diesem Erlebnis begann für ihn "Psyching up" und sich selbst in Wut zu reden (wie es damals der berüchtigte Count Dante in USA zu propagieren begann) Sinn zu machen. Vorher war der emotionsfreie Kampf sein Ziel und erregte, wütende Gegner verunsicherten ihn immer wieder, da sie bei sich Gefühle hervorriefen, die er nicht einschätzen konnte. Seine Reaktion bei Auseinandersetzungen war damals immer: "Nun schlag endlich zu, damit wir es hinter uns bringen!" Als Karateka, dessen erste Technik ja ein Block zu sein hatte, musste Kernspecht oft minutenlang zusehen, wie sein Gegenüber sich immer mutiger redete, während seine eigenen Knie zu zittern begannen, und er zum Abwarten verurteilt war.

Bei seinen Studien stieß Kernspecht auf jahrtausende alte Rituale, die jeder Straßenschläger unbewusst kennt, aber die kaum ein Wissenschaftler bisher für untersuchungswürdig hielt. Aber diese atavistischen Rituale bestimmen die unveränderbaren Abläufe der häufigsten körperlichen Auseinandersetzungen. Sie zu kennen bedeutet, sich und den anderen zu kennen. Nach Sun Tsu, dem berühmten chinesischen Strategen, eine unerlässliche Bedingung, um zu siegen.
Wobei es sich und dem chinesischen Wu Shu in Wirklichkeit gar nicht ums Siegen geht, sondern um das Verhindern des Kampfes, der immer ein Verlust ist, selbst wenn man wie Pyrrhus einen Sieg erringt. Tatsächlich geht es um die Begrenzung des Schadens, das heißt darum, dass die Gewalt nicht noch weiter eskaliert.

Hier hilft kein Gerede mehr

Jahrtausende alte Rituale bestimmen auch heute noch den Ablauf der meisten Auseinandersetzungen

Die Vorbereitung darf sich nicht ausschließlich auf den physischen Teil der Auseinandersetzung beziehen. Nicht in der verbalen und taktilen Phase geschulten Personen, die nur eine "körperliche", aber keine "geistige" Selbstverteidigungsmethode betreiben, bleibt sonst nur die Anwendung noch größerer physischer Gewalt zur Lösung von Konfliktsituationen, denn "Wenn das einzige Mittel ein Hammer ist, sieht jedes Problem aus wie ein Nagel."

Deshalb lehrt GM Keith R. Kernspecht seine Schüler in jeder Phase, sei es der visuellen, der verbalen oder dem Anfang der taktilen auf Entschärfung bedacht zu sein.
Nur falls das versagt, sollen die ultimativen Techniken, die Kernspecht empfiehlt, im Rahmen der Verhältnismäßigkeit der Mittel und der Menschlichkeit eingesetzt werden, so dass man sicher sein kann, sich auch unter größter Stressbelastung rechtskonform zu verhalten.

Deeskalierendes Vorkampfverhalten, Täuschen, Tarnen, Ablenkungsmanöver und Kampftechnik sind von Großmeister Kernspecht in 20-jähriger Arbeit mit den bedeutendsten polizeilichen und militärischen Eliteeinheiten der Welt ausgearbeitet und aufeinander abgestimmt worden.
Aus der Summe effektiver Techniken hat er diejenigen gewählt, die sich in kürzester Zeit von der Durchschnittsfrau bzw. dem Durchschnittsmann erlernen und am vielfältigsten mit "schonenden" Überwältigungsgriffen kombinieren lassen.

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Interview mit dem Autor Keith R. Kernspecht

Professor Kernspecht, Sie sind Dozent für Pädagogik und Kampfkünste an mehreren ausländischen Universitäten.  Worum geht es in Ihrem neuen Buch „BLITZDEFENCE – Die Strategie gegen den Schläger"? 

Kernspecht:

Es geht mir darum, dem friedlichen Bürger einen Einblick in die Methoden von Schlägern zu geben und eine praktische Hilfe, um sich in dieser typischen Angriffssituation zu behaupten.

 

Also geht es um Selbstverteidigung. Ist das nicht ein Bereich, der bereits durch genügend Literatur abgedeckt ist?

 Kernspecht:

Es existiert eine Unmenge an Literatur über diverse Selbstverteidigungstechniken. Aber leider gab es bisher kein Buch, das sich mit diesem speziellen Thema auch nur peripher auseinandersetzt.

Dabei handelt es sich um ein Phänomen, das sich jährlich hunderttausendfach in unseren Diskos, Kneipen, auf Parkplätzen und in den Straßen abspielt.

Ein atavistisches Ritual zur Revier- und Territorialverteidigung. Es beginnt mit einem als zu intensiv empfundenen Blick, der zur Frage  „Was guckst du so blöde?" führt. Wenn dem anderen nicht schnell genug etwas Entschärfendes einfällt, geht es von der visuellen und verbalen Phase in die taktile über, wo geschubst, geohrfeigt, dann geschlagen usw. wird.

Während Revierverteidigung bei Hirschen, Löwen und Warzenschweinen durchaus von Forschern untersucht wurde, betrat ich – was Menschen angeht – hier Neuland, was sich schon daran erkennen ließ, dass ich erst einen Begriff für diese Gattung „Kampf" schaffen musste. Ich nenne ihn den Ritualkampf.

Dabei entstehen durch diese „Schlägereien" so viel Schäden, dass die Gesellschaft ein Interesse daran haben sollte, dieses Phänomen zu erforschen.

 

Gab es denn solche Auseinandersetzungen nicht immer? Führte der Spruch „Was fixiert er mich?" nicht früher schon zu Duellen unter Edelleuten?

Kernspecht:

Richtig, aber früher war man instinktsicherer. Noch in den 50er und 60er Jahren kannte man seinen „Ehrenkodex" und hörte auf, sobald das erste Blut floss. Während damals Treten als „link" und feige galt, denkt sich heute kaum einer etwas dabei, dem schon liegenden Kontrahenten noch mal mit der „Pieke" ins Gesicht zu treten oder mit mehreren auf einen Einzelnen loszugehen. Dadurch haben wir es immer öfter mit Tötungsdelikten zu tun.

  

Worauf ist dieser Niedergang der Sitten Ihrer Meinung nach zurückzuführen?

Kernspecht:

Auf Alkohol- und Drogenkonsum und auf den Einfluss von verrohenden Filmen und Videos. Die Menschen kennen außerdem den Sinn der Revierverteidigungsrituale nicht mehr. Sie dienten – wie es immer noch bei den Tieren zu erkennen ist – zur Vermeidung eines Kampfes. Denn das Tier weiß, dass jeder Kampf ein Verlust ist. Selbst der Sieger kann Wunden davontragen, die ihn in freier Wildbahn langfristig das Leben kosten können. Nur der heutige Mensch stolpert instinktlos geworden in die Falle der Eskalation.

Wie bei einem harmlosen Kartenspiel blufft er, obwohl sein Blatt schlecht ist. Dabei setzt er immer öfter Gesundheit und Leben aufs Spiel.

 

Welche Lösungen bietet Ihr Buch dazu an?

Kernspecht:

Erstens Aufklärung über den genauen Ablauf und die Hintergründe der verschiedenen Phasen dieses Territorialkonfliktes und des Ritualkampfes. Denn bei psychologisch richtiger Verhaltensweise ist die Eskalation in jeder Stufe zu stoppen. Intuitiv beherrschen das einige wenige Menschen, die in bewunderungswürdiger Weise selbst die gefährlichsten Situationen entschärfen können und sich nie zu schlagen brauchen. Wer das nicht kann, der muss lernen,  wie man richtig guckt, richtig spricht und notfalls richtig zuschlägt.

Dazu muss man sich selbst verstehen lernen und das Gegenüber, das unbewusst in ähnlicher Weise jahrtausendealtem Verhalten folgt. Man muss sein „Ego" genau wie auch die Auswirkungen des Flucht- und Angriffshormons Adrenalin wie Denkblockade, Lähmung, trockener Mund, zitternde Knie, Tunnelblick usw. kontrollieren können. Man muss wissen, dass der andere dieselben Symptome erlebt und man darf sie nicht mit „lähmender Angst" verwechseln.

Spielt Angst denn bei einer Konfrontation eine so entscheidende Rolle? Die meisten Kampfsportler oder große, kräftige Personen bestreiten es doch sogar zumeist dieses Gefühl überhaupt zu kennen.

Kernspecht:

Das Adrenalin wirkt auf jeden, und jeder hat „Angst", egal ob er es zugibt oder nicht. Entscheidend ist, damit umgehen zu lernen. Schläger haben leider den Vorteil der praktischen Erfahrung. Sie haben gelernt, sich selbst mutig und das Opfer „vor Angst gelähmt" zu gucken und zu reden.

Dadurch, dass sie zuerst die Initiative ergreifen und den anderen anfassen oder vor die Brust schubsen, ist ihre Angst buchstäblich „auf einen Schlag" wie weggeblasen, während der andere vor Angst wie gelähmt ist und kaum wagt, sich zu verteidigen, aus Sorge, er könne den Schläger noch wütender machen.

Viele Männer werden aber entgegnen, dass sie keine Anleitung zur Selbstverteidigung benötigen, da sie sich aus gefährlichen Situationen heraushalten. Ist Ihr Buch für die heutige Gesellschaft zeitgemäß?

Kernspecht:

Leider ja. Konnte man vor 10-20 Jahren noch bewusst Konflikten ausweichen, indem man bestimmte Orte vermied, so ist die heutige Situation ungleich gefährlicher. Das allgemein gestiegene Aggressionsverhalten lässt sich besonders auf soziale Unzufriedenheit zurückführen, die so mancher nicht verarbeiten kann und nun andere Ventile sucht. Und bei Personen, die unter Einfluss von Drogen oder Alkohol stehen, hilft oft auch kluges Einlenken und Diplomatie nicht.

Manchmal hilft gegen Gewalt nur Gewalt.

Die neueste Kriminalstatistik von 1999 unterstreicht dies anschaulich. Mit 6,3 Millionen Straftaten fällt diese Statistik besser aus denn je. Die Delikte Autodiebstahl, Mord und Raubüberfälle sind genauso wie die Ladendiebstahlszahlen sogar rückläufig. Einzig die Anzeigen wegen Körperverletzung stiegen an und zeigen ganz klar: Ein subjektives Sicherheitsempfinden kann trügerisch sein!

 

In Ihrem Buch gehen sie detailliert auf die Situation Mann gegen Mann ein für weibliche Leserinnen fehlen hingegen Hintergrundinformationen.

Wieso diese Spezialisierung auf die männliche Zielgruppe?

 Kernspecht:

Was Frauen anbelangt, so müssen wir von zwei verschiedenen

Angriffssituationen ausgehen:

1.      Der Angreifer ist eine Frau.

2.      Der Angreifer ist ein Mann.

Dass eine Frau etwa in der Disko eine andere Frau (z.B. aus Eifersucht) tätlich angreift, passiert immer häufiger. Hier handelt es sich um denselben Territorialkampf wie bei Männern.

Auch auf diesem Gebiet hat das schöne Geschlecht schnell aufgeholt, ist aber sozusagen im Zeitraffer durch die Evolution gerast und hat die Kampfvermeidungsabsicht der Rituale nicht verinnerlicht. Dadurch entstehen Kämpfe zwischen Frauen oft zu schnell, als dass man sie stoppen könnte und sind im Verlauf grausamer und bedingungsloser als zwischen Männern.

Was die Auseinandersetzung zwischen Frauen und Männern angeht, so gestaltet sich das „Vorspiel" dort gänzlich anders und erfordert eine andere psychologische Vorbereitung, wobei die Angstbekämpfung und die rein technische Verteidigung denselben Regeln folgt. Ein entsprechendes Buch für Frauen ist schon in Vorbereitung.   

Wenn, wie Sie in Ihrem Bestseller „Vom Zweikampf" behaupten, in einer Konfliktsituation der Sieger zu einem großen Teil bereits vor der körperlichen Auseinandersetzung durch den „Pre-Fight" feststeht, wäre es doch sinnvoll, durch psychologische Seminare das Selbstbewusstsein so zu stärken, dass man nicht in die typische Opferrolle fällt. Wofür braucht man Selbstverteidigungstechniken?

Kernspecht:

Theoretisch macht das Sinn, aber es birgt Gefahren, falls das Gegenüber sich bei diesem Pokerspiel nicht „bluffen" lässt. Wird die Auseinandersetzung doch körperlich, fehlen die schlagkräftigen Argumente. Deshalb finden Sie in meinem Buch „BLITZDEFENCE – Die Strategie gegen den Schläger" einen ganzheitlichen Ansatz der Diplomatie, Psychologie, Körpersprache, Notwehrrecht, jederzeit sichere, aber getarnte Verteidigungsposition und notfalls konsequentes körperliches Kampfunfähigmachen des Gegners stimmig einschließt. Ich beschränke mich dabei auf drei oder vier Bewegungen, die den Aggressor innerhalb von zwei Sekunden ausschalten können.

 

Sie sind mit dem 10. Großmeistergrad der höchstgraduierte WT-Lehrer Europas und Cheftrainer der weltgrößten Kampfkunstorganisation. Der „Spiegel" bezeichnete Sie als den Einzigen, der jemals einen Ehrendoktor-Grad für seine Leistungen auf dem Gebiet der Selbstverteidigung verliehen bekommen hat.  Haben Sie „BLITZDEFENCE – Die Strategie gegen den Schläger " also spezifisch für Ihre Schüler oder generell Kampfsportler als Zielgruppe geschrieben?

Kernspecht:

Ich würde mich freuen, wenn „BLITZDEFENCE – Die Strategie gegen den Schläger" von allen gelesen würde, die es brauchen. Ganz besonders von Laien. Viel Unheil könnte vermieden werden, wenn jeder die rituellen Abläufe dieser unseligen „Was-guckst-du-so-blöde-willst-du-was-aufs-Maul"-Kämpfe kennen würde.

 

Also ist Ihr Buch eine Art Leitfaden für all diejenigen, die sich in gefährlichen Situationen verteidigen müssen?

Kernspecht:

Ja, aber natürlich nur der theoretische Teil. Ohne praktische Übungen ist eine Verteidigungsfähigkeit nicht zu erreichen. Man muss ca. sechs Monate einplanen.

Nur sechs Monate? Sie sprechen von geübten Kampfsportlern?

Kernspecht:

Nein, von Personen ohne Vorkenntnisse oder besondere körperlichen Voraussetzungen, weil wir uns im WT aufs Notwendige spezialisieren.

 

Was gibt Ihnen die Sicherheit, dass Ihre Techniken wirklich im Ernstfall funktionieren?

Kernspecht:

Ich habe nicht nur einige hunderttausend Schüler weltweit, sondern ich unterrichte als Gastlehrer auch die berühmtesten Eliteeinheiten der int. Polizeien bis zum FBI (USA). Das von mir entwickelte Programm wird seit über 15 Jahren von int. Geiselbefreiungs- und Antiterror-Teams weltweit mit sensationellem Erfolg eingesetzt. „WT-Blitzdefence" ist die jüngste Weiterentwicklung meiner Strategie, die die Psychologie noch stärker berücksichtigt und sich noch schneller erlernen lässt. 

 

Sie sprechen vom WT (WingTsun). Warum ist gerade diese Kampfkunst so gut für die Selbstverteidigung geeignet? Es gibt doch diverse Kampfsportarten, die eine effektive Selbstverteidigung versprechen. Was ist das Besondere an Ihrem System?

Kernspecht:

WT ist auf die reine Selbstverteidigung spezialisiert. WT ist kein Sport, ist nicht durch sportliche Regeln entschärft, ist realistischer Nahkampf in Vollendung, kennt keine effekthaschenden Showtechniken, erfordert keine Akrobatik und Körperkraft, sondern wurde ursprünglich von chinesischen Kämpferinnen geschaffen, um Männer in tödlichen Kämpfen zu besiegen.

Und „WT-BLITZDEFENCE" ist die spezifische Antwort auf das Macho-Ritualkampf-Problem.

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BLITZDEFENCE

Erhältlich über:  Wu Shu-Verlag Kernspecht

Kantstraße 8

23764 Burg a. Fehmarn          

Tel. 0 43 71 - 45 81

Fax 0 43 71 - 18 03

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Der Ritualkampf

Eine Einführung in das Phänomen

 23.00 Uhr. Ein Club irgendwo in Deutschland. Karsten bestellt sich ein Bitter Lemon, er muss noch fahren. Er will einen lustigen Abend mit einigen Freunden erleben und ist zum ersten Mal in diesem Club.

An der Theke steht ein Mann, ca. einen halben Kopf größer als Karsten und schaut zu ihm herüber. Die Blicke treffen sich für einige Sekunden und Karsten denkt sich nichts dabei. Er nimmt sein Getränk und geht zurück zu seinen Freunden.

Eine knappe Stunde später, Karsten geht erneut zur Bar, als der Fremde ihm entgegenkommt und ihn mit der Schulter anrempelt. „Was iss?“ Karsten riecht die Alkoholfahne des Mannes und weicht einen Schritt zurück. „Kannst du nicht aufpassen, oder was?“ Der Schritt war anscheinend zu klein, denn der Fremde steht mit bohrendem Blick direkt vor Karsten, „willst wohl Stress machen, du ..., hast vorhin schon so gegafft!“ Karsten bemerkt, wie seine Knie anfangen zu zittern, und er versucht mit trockenem Mund „Entschuldigung“ zu stammeln, was aber zu einem undefinierbarem Laut seinen Lippen entweicht. Stattdessen muss Karsten einen großen Schritt nach hinten machen, um nicht durch den Schubser des Gegenübers zu stürzen.

Karsten ist sich sicher, es handele sich um eine Verwechslung, die es zu klären gilt. „Ruhig bleiben, rede mit ihm“, hämmert es Karsten durch den Kopf. „Hören Sie, ich weiß zwar nicht ...“

Es klatscht, die flache Hand trifft Karsten auf der linken Wange.  Fassungslos und mit offenem Mund steht Karsten vor dem Fremden, dessen Augen ein Adrenalinspiegel fern ab jeder Kommunikationsbereitschaft signalisieren. „Jetzt reicht‘s aber“, denkt sich Karsten, „Moment einmal...“ - Wumm, ein rechter Haken trifft Karsten am Kinn, er torkelt ein bis zwei Meter nach hinten, seine Beine knicken unter ihm weg. Kurz vor dem Schmerz hat er nur einen Schatten gesehen, und dann hat es geknallt.

Er sinkt zusammen, seine Kleidung verschmutzt auf dem dreckigen Fußboden. Aus dem Augenwinkel sieht er, wie sein Angreifer näherkommt und sein Bein für einen Tritt zu seinem Kopf hebt. Karsten schließt die Augen und reißt die Arme vor das Gesicht. Seinen Schrei hört niemand, die Musik ist zu laut. Endlose Sekunden vergehen, bis Karsten ungläubig die Augen öffnet und sich wundert, warum der sichere Schmerz ausbleibt.

„Gott sei Dank“, entfährt es ihm, als er sieht, wie die beiden breitschultrigen Türsteher das Adrenalinmonster im „Schwitzkasten“ herausbefördern. „Was für ein Glück...“

„Komm schon!“ Ein dritter Türsteher greift Karsten hart am Arm und zieht ihn mit sich. „Moment einmal, was soll das? Ich wurde angegriffen!“ „Nee, ist klar, regelt euren Streit woanders, hier wird sich nicht geprügelt, merk dir das.“

Sekunden später steht Karsten vor der Tür des Clubs. 

Ängstlich schaut er sich um – ist sein Angreifer noch in der Nähe?

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Der Doktor der Kampfkünste

Portrait des Autors Keith R. Kernspecht

 

Er ist ein Mann der Superlative, ein Kampfkünstler, ein Kosmopolit, ein charismatischer Pädagoge. Er ist Mitglied, vielfacher Vorsitzender und Ehrenpräsident internationaler Kampfkunst-Verbände in Hongkong, China, den USA und Europa. Er gilt international als der Kenner orientalischer und okzidentaler Kampfkünste, ist gefragter Gastprofessor und Lehrer der wichtigsten Elitepolizeien der Welt. Und: er ist „ein Meister zum Anfassen“ geblieben, der mit WingTsun (WT) Wege zum gewaltfreien Miteinander aufzeigt. 

Seine Begeisterung für Kampfkunst und Körperentwicklung hat Keith R. Kernspecht frühzeitig entdeckt. Schon zu Schulzeiten gehörte die Lektüre der damals in Deutschland noch wenig populären Literatur über asiatische Selbstverteidigungskünste zu seinen Hauptbeschäftigungen. Die Auseinandersetzung – teilweise unterstützt durch asiatische Privatlehrer – war so intensiv, dass der junge Autodidakt selbst seine Abiturslaufbahn für kurze Zeit vernachlässigte. Erst nach einer Ausbildung zum Dolmetscher und dem anschließenden Wehrdienst, den Kernspecht alternativ mit einer Ausbildung zum Polizeibeamten absolvierte, holte der heute weltweit gefragte Cheftrainer der Europäischen WT-Organisation, EWTO, sein Abitur nach.  

Das folgende Studium klassischer und moderner Sprachen, der Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaften lieferte ihm zunächst die solide Grundlage zum Fachunterricht in Sprachen und Sport an einer privaten Realschule, als Lehrbeauftragter für Wirtschaftsenglisch an der Universität, bei der Justizvollzugsanstalt und der NATO. Doch trotz der vielfältigen Unterrichtsverpflichtungen, die Kernspecht bis 1978 wahrnahm, widmete er sich parallel weiterhin immer dem Studium der Kampfkünste. 

Schon Ende der fünfziger Jahre hatte Keith R. Kernspecht mit Freistilringen, Catchen, Jiu-Jitsu und Judo begonnen. Dann folgten Kempo, Shaolin-Kung Fu, Shotokan- und Wado-Ryu-Karate, Ko-Budo, Taekwon-Do, Aikido, Escrima, ein philippinischer Stock- und Messerkampf und diverse thailändische Kampfkunstdisziplinen. 1967 gründete Kernspecht schließlich den legendären Budo-Zirkel, eine eigene Schule, die sich als erster deutscher Sportverein auch dem chinesischen Kung Fu widmete. 

Mit WT, dem wohl effizientesten chinesischem Kung Fu-System, kam Kernspecht Anfang der siebziger Jahre in den China-Vierteln der europäischen Metropolen erstmals in Berührung. Er machte die noch weitgehend unbekannte Kampfkunst zur eigenen Disziplin des Budo-Zirkels – und begann damit den Weg, der ihm den Ruf des „Vaters des WingTsun in Europa“ einbrachte. So gelang es ihm 1976 als erstem und einzigem Europäer, den höchsten chinesischen WingTsun-Meister, Dr. Leung Ting, nach Deutschland einzuladen.

Heute sind die Besuche Leung Tings und dessen Ausbildungstraining für WT-Ausbilder und Schüler zur Selbstverständlichkeit geworden.

Seit 1976 ist Kernspecht Cheftrainer der deutschen und der europäischen Sektion des chinesischen WT-Dachverbandes in Hongkong und nach Großmeister Leung Ting, der ihm den 10. Meistergrad zuerkannt hat, der höchste WT-Meister der Welt. Darüber hinaus ist er Ehrenpräsident so bedeutender Zusammenschlüsse wie der Internationalen WingTsun Martial Art Association und Direktor auf Lebenszeit der Ving Tsun Athletic Association.

1982 gründete Kernspecht die WingTsun-Akademie auf Schloss Langenzell bei Heidelberg. Das Lehrprogramm zur Berufsausbildung entwickelt er bis heute gemeinsam mit Großmeister Leung Ting kontinuierlich weiter. Den Informationsfluss zu den mittlerweile rund 1.500 WT-Schulen allein in Deutschland, Österreich und der Schweiz gewährleisten eine eigene Verbandszeitschrift, regelmäßige Rundschreiben an die Mitglieder, zahlreiche Lehrgangsangebote und die Fachbücher, die der Akademieleiter im eigenen Wu Shu-Verlag herausgibt.

 

Professor und Ehrendoktor

Seit 1996 ist Kernspecht Gastprofessor für Sportwissenschaften an einer der weltgrößten Sportfakultäten der Welt – der nationalen Sportakademie in Sofia.

Hinzu kommt eine Gastprofessur für Pädagogik und Kampfkunst an der staatlichen Universität Plovdiv, die ihn als Anerkennung seiner internationalen Leistungen auf diesem Gebiet zum weltweit ersten Ehrendoktor der Kampfkünste ernannte.

Obwohl Kernspecht an sechs Tagen in der Woche unterrichtet, findet er noch Zeit, sich international für die Kampfkunst einzusetzen. So arbeitet er seit geraumer Zeit an einem eigenen Forschungsprojekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, alternative Wege zur „De-Eskalation der Gewalt“ zu finden. Seine Untersuchungen bleiben nicht nur schöne Theorie. Im Alltag der europäischen und amerikanischen Elite-Polizeien, die er kontinuierlich berät, haben sie sich nachweislich bewährt.

In seinem neuen Buch „BLITZDEFENCE – Die Strategie gegen den Schläger“ ermöglicht es Kernspecht nun auch interessierten Laien, von seinem Wissen zur Gewaltprävention zu profitieren.

 

Der Spiegel, 50/1999, S. 289:

 „Keith R. Kernspecht, 54, deutscher Guru der Selbstverteidigungsszene, erhielt den weltweit ersten Titel eines „Doktors der Kampfkunst“. Für seine Verdienste um die Entwicklung der Selbstverteidigung würdigte die bulgarische Staatsuniversität in Plovdiv den gebürtigen Schleswig-Holsteiner am Dienstag vorvergangener Woche mit dieser Ehre.

Der gelernte Anglist und Meister vieler Kampftechniken hatte den zuvor ausschließlich von Chinesen praktizierten Kung Fu-Stil namens WingTsun (WT) Mitte der siebziger Jahre nach Europa gebracht und über die Jahre zu einer der effektivsten Formen der Selbstverteidigung verfeinert.

Heute üben sich Polizei- und Militärspezialeinheiten in dem aggressiven WT; auch so mancher Personenschützer deutscher Politik-Prominenz hat beim Dr. der Faust gelernt.“

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