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Als Begründer des philosophischen Taosmus
wird Lao Tze ("der alte Meister"), der im 6. Jahrhundert v. Chr.
lebte, angesehen. Der Begriff "Tao" oder "Dao"
("Weg") ist wesentlich älter. Die klassische Schrift "Tao
te King", welche eine Sammlung von Schriften darstellt, die in 81
Kapiteln die Begriffe Tao und Te erörtern, ist
wahrscheinlich nur angeblich auf Lao Tze als Autor zurückzuführen.
Das Tao-te-King lehrt, dass die
Wirklichkeit trotz ihrer Vielfalt einem geheimnisvollen Ganzen entspringt.
In dieser Urwirklichkeit lösen sich die im Gegensatz zueinanderstehenden
Prinzipien Yin und Yang, d. h. das Weibliche und Männliche,
Wahre und Falsche, Gut und Böse, wieder in eins auf. Der Weise, der sich
in mystischer Schau mit dem Tao vereinigt, vermag Unsterblichkeit
zu erlangen.
Als Leitlinie des menschlichen Strebens
nach solcher Art von Vollkommenheit dient das Te (Lebensart,
Tugend), worin man den individuellen Anteil des Menschen am Tao,
also eine Art inneres Gesetz, zu verstehen hat.
Aufgabe des Weisen kann es nicht sein,
willkürliche Veränderungen herbeizuführen, sondern als passiver
Beobachter dem Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte seinen Lauf zu
lassen. Diese passive Haltung wird mit dem Begriff Wu Wei
bezeichnet, was wörtlich "ohne Tun" bedeutet, jedoch das nicht
absichtsvolle Handeln im Einklang mit den Naturgesetzen meint.
Im Zentrum dieser Philosophie des Taoismus
steht die Beziehung des Menschen zur Welt und sein kooperativer Umgang mit
der Natur. Für Taoisten war das Universum untrennbar von ihrem Selbst.
Der ganze Kosmos spiegelt sich wieder in jedem seiner Teile und jeder Ort
kann als sein Mittelpunkt gesehen werden. Das bedeutet, dass das Leben des
Menschen nicht als eine Kriegsführung gegen die Natur aufgefasst werden
kann. Vielmehr ist es notwendig, die Winde, die Gezeiten, die Strömungen,
die Jahreszeiten und das Prinzip des Lebens zu verstehen, welches Werden
und Vergehen heißt. Deshalb muss jegliches Tun im Übereinstimmung mit
den Naturgesetzen geschehen und nicht gegen sie.
Für das WingTsun bietet der Taosimus Leitsätze,
die sich in den Kampfprinzipien widerspiegeln. Es geht darum einfache,
unkomplizierte, natürliche Bewegungen auszuführen. Wird man mit äußerer
(gegnerischer) Kraft konfrontiert, so stellt man sich nicht gegen diese,
sondern nutzt sie für das eigene erfolgreiche Handeln. Wie sich Wasser
seiner Umgebung weich anpasst und trotz stärkster Hindernisse (härtestem
Fels) seinen Weg bahnt, so passt sich der WingTsun-Kämpfer der überlegenen
gegnerischen Kraft an, beugt sich ihr, raubt somit dem Angreifer das
Gleichgewicht und nutzt die gegnerische Kraft gegen den Gegner selbst.
Auch das Prinzip Wu Wei kann mit dem
Rezept "So viel wie nötig, so wenig wie möglich" durch
die WingTsun-Prinzipien interpretiert werden. So gibt der WingTsun-Kämpfer
so wenig Impulse, wie möglich. Er verändert aktiv möglichst gar nichts,
seine Reaktionen erfolgen angepasst an die gegnerische Bewegung. So
behindert er den Gegner nicht, sondern benutzt die Kraft und Schnelligkeit
seines Gegenübers, um ihn zu überwinden.
Kurz formuliert charakterisiert der
Taoismus die Art, wie WingTsun funktioniert / angewendet wird.
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