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WingTsun Unterricht |
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WingTsun ist ein chinesischer Familienstil. Das heißt, wir
duzen uns
alle (bis hinauf zu den höchstgraduiertesten Lehrern). Unser
Verhältnis untereinander wird geprägt durch gegenseitige Rücksichtnahme und Achtung,
sowie Respekt vor dem Wissen und Können unserer Lehrer. Der Umgang zwischen uns ist
freundlich und familiär. Dies drückt sich vor allem im Unterricht aus. Die Lehrer zeigen
und erklären, wie es Eltern ihren Kindern, oder ältere Geschwister ihren jüngeren
Geschwistern zeigen würden. So bedeutet der Titel "Sihing" soviel wie
"größerer Bruder" im Sinne der Kampfkunst. So wird der Ausbilder genannt, der
noch nicht den Ehrentitel "Sifu" (Vater) verliehen bekommen hat. So wie der
Lehrer dem Schüler sein Vertrauen beweist, in dem er ihn unterrichtet und ihn an seinem
Wissen teilhaben läßt, so bringt der Schüler dem Lehrer Respekt gegenüber, indem er
ihn mit dem korrekten Titel anspricht, und sich angemessen benimmt. Dazu gehört z.B. auch
streng traditionell gesehen, daß der Schüler nach den Erklärungen des Lehrers durch
eine kurze Verbeugung seine Anerkennung ausdrückt. Dies hört sich im ersten Moment zwar
etwas ungewöhnlich an, doch diese jahrhunderte alten - vor allem vom chinesischen
Konfuzianismus geprägten und überlieferten - Traditionen helfen
uns, einen niveauvollen und fruchtbaren Unterricht zu gestalten. |
| Im Unterricht werden dem Schüler Übungen und Techniken gezeigt, die
gerade am Anfang Schwierigkeiten im Verständnis und auch bei der Ausführung aufwerfen
können. Dies ist nicht ungewöhnlich, da meist erst im Gesamtzusammenhang die
Ausgeklügeltheit und Raffinesse unseres Kampfsystems deutlich wird. Keiner wird schief
angesehen, wenn ihm eine Übung nicht auf Anhieb perfekt gelingt. Vielmehr zählt der
Wille und das Durchhaltevermögen, die neue Herausforderung anzunehmen und die Übungen zu
meistern. Es hat sich immer wieder gezeigt, daß nicht unbedingt nur diejenigen, die am
Anfang größtes Talent in der Sache beweisen, auch langfristig erfolgreich sind. Vielmehr
Erfolg haben die Beständigen, die regelmäßig und bedacht üben und wenn möglich keine
Trainingsstunden versäumen. In unserem Unterrichtssystem gibt es für Schüler neben zwei
Gesundheits- bzw. Bewegungsformen und diversen Grundtechniken
12 Schülergradprogramme, in denen
die Schüler systematisch Kampftechniken und Taktiken sowie deren Anwendung erlernen. Ein
solches Kampfprogramm kann bei zweimaligem Training pro Woche in etwa 3 Monaten erlernt
und dann mit einer abschließenden Prüfung absolviert werden. Dafür sind also etwa 24
Doppelstunden notwendig. Wer weniger oder häufiger trainiert, kann somit länger oder
kürzer für sein Programm brauchen. Denn im WT zählen die Trainingsstunden und nicht die
Wartezeit. Zusätzlich zum normalen Schulunterricht haben wir über das ganze Jahr
verteilt ein reichhaltiges Angebot an Lehrgängen - ausgeführt
von professionellen und weltweit anerkannten Lehrern und Meistern - bei denen Prüfungen
abgelegt und Programme ganz besonders intensiv geübt werden können. |
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| Man kann das Erlernen des WT sinnvoll vergleichen mit dem
Erlernen einer Fremdsprache. Wenn ein Chinese die deutsche Sprache
erlernen will, muß er sich erst einmal mit unseren andersartigen
Schriftzeichen vertraut machen. Mit unserem Alphabet. Er lernt das ABC.
Das
ABC des WT ist die Siu-Nim-Tau (“Kleine-Idee-Form“). Durch diese Form
lernst du die grundlegenden WT-Techniken und die Bewegungsmöglichkeiten
deines Körpers kennen. Wichtig ist vor allem die entspannte Ausführung
aller Bewegungen. Der zu Beginn der Siu-Nim-Tau eingenommene Stand wird während
der gesamten Form nicht verändert. Dieser WT-Stand (kurz IRAS genannt)
stellt die Grundlage für die gesamte WT-Schrittarbeit dar und wird auf
diese Weise intensiv trainiert.
Als nächstes lernt unser Sprachenschüler einzelne Wörter.
Deren Entsprechung im WT ist die zweite Form, die Chum-Kiu (“Suchende
Arme“). Hier wirst du erstmals verschiedene Elemente miteinander
verbinden, zum Beispiel zwei Arme gleichzeitig bewegen, treten und den
Stand verändern.
Und als Drittes muß der Sprachschüler erlernen, wie man einzelne Wörter
verändert und kombiniert, um Sätze bilden zu können. Er lernt deshalb
Grammatik.
Auch der WT-Schüler muß lernen, wie man reflexartig die richtigen
Bewegungen zur richtigen Zeit macht. Er lernt Chi-Sao (Klebende Arme).
Chi-Sao ist die Seele des WingTsun. Mit Hilfe dieser Übung werden die
WT-Techniken so verinnerlicht, daß sie reflexartig und vollautomatisch
eingesetzt werden können.
Das Ziel des Sprachenunterrichts ist aber nicht der Satz, sondern die
Kommunikation, die Unterhaltung. So ist es auch das Ziel des WT-Schülers,
wenn erforderlich, einen längeren, kunstvollen Zweikampf bestreiten zu können.
Dies lernst du im Lat-Sao (Freikampf oder Sparring).
Das Ziel im WT ist die Kampffähigkeit, also die Lat-Sao-Übung. Je
besser du die drei Vorstufen - Siu-Nim-Tau, Chum-Kiu und Chi-Sao - gelernt
hast, desto besser bist auf Lat-Sao vorbereitet.
Im Programm für den ersten und zweiten Schülergrad lernst du jedoch
bereits einige Abwehren für die häufigsten Angriffe, damit sich deine
Selbstverteidigungsfähigkeit bereits von Anfang an erhöht.
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Was im Folgenden zu lesen ist, gilt sowohl für
den Unterricht im WingTsun, als auch in allen anderen Bereichen, in denen
man mit anderen Menschen in Kontakt kommt.
Sich Respekt
verdienen
Wir als WingTsun-Lehrer erhoffen uns den
Respekt unserer Schüler
Respekt kann durch verschiedene Ursachen
hervorgerufen werden, es gibt zwei typische Varianten:
- Respekt durch Angst
- Respekt durch Achtung
Sich Respekt durch Angst zu verschaffen ist
einfach und kurzfristig erreichbar. Wir kennen es aus unserem Alltag, weil
wir ständig durch Ängste gefügig gemacht werden. Wer durch körperliche
Überlegenheit oder einfach durch Bestrafungsmacht sein Gegenüber
einzuschüchtern vermag, kann sich schnell den Respekt durch die Angst
seines "Opfers", welches ihm ausgeliefert scheint, erwirken. Die
moralische Bewertung dieser Form der Respektverschaffung sei an dieser
Stelle arg in Frage gestellt.
Aber nicht nur, dass diese Form der "Respekterzwingung" auf
charakterliche Defizite hinweisen könnte, - sie ist von minderer Qualität
und beruht auf Unterdrückung, hindert die individuelle Persönlichkeitsentfaltung
und bricht Vertrauen.
Immer wieder kann man beobachten, dass diese Form der Überlegenheit durch
Machtdemonstrationen unverhältnismäßig ausgenutzt wird.
Und so wundern und beklagen sich gerade diejenigen, die ihre Position auf
solch unrühmliche Weise behaupten, wenn genau diese Eigenschaft einst
gegen sie selbst verwendet wird. Wenn sich der Unterdrückt befreit und
seine Unterdrückung an seinem Peiniger rächt.
Weitaus schwieriger, aber ehrlicher und
langlebiger ist es, wenn man sich Respekt in Form von Hochachtung durch
sein Wirken, seine Souveränität und seine Persönlichkeit verschafft und
sich damit das Vertrauen seiner formal Untergebenen erarbeitet. Dazu gehört,
dass man Rücksicht nimmt und die Grenzen der anderen wahrt. Wie in den
ersten Zeilen zu lesen war, erwünschen wir uns den Respekt unserer Schüler.
Allerdings verfolgen wir dieses Ziel nicht mit allen (nur erdenklichen und
u.a. unlauteren) Mitteln. Grundlage dafür ist es zunächst, dass wir
selbst unseren Schülern Respekt Gegenüberbringen, dass wir deren Grenzen
respektieren und dass wir tolerieren, dass jeder Mensch seine individuelle
Persönlichkeit besitzt, auch wenn sie der eigenen in weit reichenden
Teilen nicht entspricht.
Wir können nicht von anderen verlangen,
was wir selbst nicht zu bieten bereit sind.
Unserer Ansicht nach ist es unsere
verantwortungsvolle Aufgabe, unsere Schüler auf einen Weg zu bringen, der
es ihnen ermöglicht, sich zu entwickeln und positiv zu entfalten, sie
solange zu begleiten, wie diese es für sich in Anspruch nehmen möchten
und ihnen stets mit unserer Hilfestellung zur Seite stehen. Und wenn die
Schüler dieses fühlen und erkennen, bringen sie Ihren Dank in Form von
Respekt durch Achtung zum Ausdruck.
Respekt kann man nicht verlangen, Respekt
verdient man sich.
Man ist nicht wichtig dadurch, dass man
sich wichtig tut, sondern dadurch, dass man wichtiges vollbringt ("Es
gibt nichts Gutes, außer man tut es", Göthe)
Privilegien sind keine Rechte. Man darf
keinen Anspruch auf sie erheben, sie werden einem bewilligt.
Wer sich Privilegien zu erzwingen versucht,
der versucht auch sich Respekt zu erzwingen. Das Ergebnis ist künstlich
und stellt nicht wirklich zufrieden. Es beruht nicht auf Ehrlichkeit und
Verdienst, sondern auf Druck und durch subtile Drohung. Wie kann man einem
Menschen Achtung Gegenüberbringen, wenn man sich von dieser Person
bedroht, unter Druck gesetzt und übervorteilt fühlt bzw. wenn man vor
dieser Person Angst hat?
Wir hoffen unserem Anspruch auf soziale
Kompetenz gerecht zu werden.
Unsere Schüler sind keine Marionetten oder
wandelnde Monatsbeiträge, die uns als wandelnde Zielscheiben ausgeliefert
sind, sondern es sind Menschen, die sich uns anvertraut haben. Dieser großen
Verantwortung sind wir uns bewusst.
Ein wichtiger Leitsatz
für jeden Menschen - aber auch gerade für Lehrer, Vorgesetzte, und Führungskräfte
- ist der, dass man sein Gegenüber
stets so behandeln sollte, wie man von der andere Person selbst gerne
behandelt werden möchte.
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Gedankliche
Ausgangsbasis
Vergleich:
„Ni sente nashi?“
und „Kuen Mo Lai
Yeung!“ |
Ausgangsbasis
Kampfkünste sind für schwache Leute „erfunden“
worden. Große, starke Menschen werden naturgemäß selten Opfer einer
Schlägerei. Auch ein „Schläger“ will das Risiko für sich so gering
wie möglich halten. Es will nur seinen Spaß - ohne Zweifel ein
zweifelhaftes Vergnügen. Er wählt sich seine Opfer, sowie Ort und
Zeitpunkt des Übergriffs sorgfältig (wenn auch oft unbewußt) aus.
Dadurch ist der Verteidiger immer in einer
nachteiligen Position.
WingTsun soll dem Verteidiger helfen, aus seinen Möglichkeiten
das Beste zu machen. Sicher beginnt Selbstverteidigung nicht erst
in dem Moment, in dem sich die Gegner mit geballten Fäusten oder gar mit
Waffen in den Händen gegenüber stehen.
Selbstverteidigung ist
mehr!
Selbstbewußtes Auftreten - nicht zuletzt durch das Wissen,
sich verteidigen zu können - und vorausschauendes Handeln sind zwei der
Eckpfeiler.
Man kann vielleicht viele Orte meiden, von denen man
weiß, daß Ärger vorprogrammiert ist. Aber erstens weiß man das nicht
immer vorher und zweitens geht das nur so lange in Ordung, wie die eigene
Lebensqualität durch das Vermeiden nicht eingeschränkt wird. Auf nächtliche
Besuche in verrauchten Kneipen kann ich jedenfalls gerne verzichten,
Lebensqualität will definiert sein ...
Wenn man in eine brenzlige Situation gerät, ist das
Beste was man tun kann, den Ort der Gefahr so schnell wie möglich zu
verlassen. Flucht ist keine Schande, sondern ein Zeichen von Klugheit. Oft
ist das, was als Mut angesehen wird, nicht mehr als einfach nur Dummheit
gewesen.
Als nächstes kann und sollte man natürlich versuchen, die Situation
zu deeskalieren, d.h. den Angreifer besänftigen, einschüchtern oder auf
andere Art und Weise von seinem Vorhaben abzubringen. In diese Phase fällt
auch das Aufmerksammachen von Zeugen, das Demonstrieren des Unwillens zu kämpfen,
um so eindeutig klarzustellen, wer hier der Aggressor war. Später ist es
dafür wahrscheinlich zu spät.
Aber angenommen, du hast einfach Pech gehabt und die
bevorstehende Schlägerei ist unausweichlich.
Was tust du? Es gibt
folgende Möglichkeiten:
- a)
Du greifst (im richtigen Moment!) als erster an.
- b)
Du läßt den Gegner zuerst angreifen und reagierst dann.
Da du deinem Gegner in irgendeiner Hinsicht (Körpergewicht,
Kraft, Schnelligkeit ...) wahrscheinlich unterlegen bist, wie ich oben
bereits ausgeführt habe, wirst du die größte Chance mit Methode a)
haben. (dies ist auch die vom WT bevorzugte Variante). Das mag unschön,
gemein und wie auch immer erscheinen. Aber in einem realistischen Kampf
gibt es Dinge wie Fairneß, Respekt und Zurückhaltung nicht. Dein Gegner
wird dich nicht verschonen, wenn du nach dem ersten Schlag
zusammenbrichst. Es werden weitere Tritte zu Kopf und Körper erfolgen,
bis du dich nicht mehr rührst. Hoffe nicht auf die Gnade deines Gegners!
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Das Ziel der
Selbstverteidigung ist das Vermeiden von Schlägereien.
Wenn man jedoch kämpfen muss, dann muss man auch gewinnen!
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Zwar schränkt der Notwehrparagraph des
Strafgesetzbuches die Handlungsmöglichkeiten ein, aber ich glaube, der
Schutz des eigenen Lebens und des Lebens derer, die man liebt, sollte
uneingeschränkt vorgehen. Dies soll jedoch keine Aufforderung zur Notwehrüberschreitung
sein. Wenn ein Schlag ausreicht, den Angriff zu beenden - gut. Wenn man
selbst diesen Schlag nicht braucht - umso besser! Über das Notwehrrecht
findest du im Internet eine Reihe von Seiten.
Wenn du sich auf Methode
b) verläßt, dann mußt du reagieren. Und das hat so seine Tücken.
Das Auge kann sehr schnell aufeinanderfolgende Bewegungen nicht
unterscheiden. Bei einem aus der nahen Distanz ansatzlos geschlagenem
Fauststoß hast du, ich oder auch der beste Boxer der Welt (wer immer das
sein mag ...) keine Chance, irgendeine Bewegung einzuleiten. Eine Abwehr
schon gar nicht! Denn dazu müßtest du erst erkennen, was für ein
Angriff (Gerade, Schwinger ...) auf welcher Höhe (Kopf, Bauch ...), in
welcher Geschwindigkeit auf dich zukommt. Der Weg vom Auge zum Gehirn und
zurück zu den Muskeln ist einfach zu lang ... Deshalb ist das optische
Erkennen eines Angriffes in der Nahdistanz
zum Selbstschutz ungeeignet. Genau diese Distanz ist die risikoreichste
Distanz in einem Kampf ohne Regeln, da alle mögliche Gliedmaßen
ansatzlos zum Angriff eingesetzt werden können. Deshalb ist der Kampf in
dieser Distanz Haupttrainingsinhalt im WT.
Kleiner Exkurs: "Ni
Sente nashi" ist ein Motto aus dem Karate
und bedeutet: Der Kämpfer macht nie die erste Bewegung, greift also nicht
an. Dieser ehrenhafte Vorsatz funktioniert in der Realität kaum.
- Dieser Glaube basiert
auf der Art wie Kinder früher anfänglich unterrichtet wurden und
wurde später durch die Unterhaltungsindustrie in Filmen wie
Karate-Kid gefördert. Weil Kinder (wie auch einige Erwachsene)
Schwierigkeiten haben, zwischen unreifer, aufgeblasener Angeberei und
wirklicher Bedrohung zu unterscheiden, wiesen die Kampfkunst-Lehrer
sie an, nicht zu kämpfen, bevor der Gegner den ersten Schlag ausführte.
- Aber glaubt heute
noch jemand, daß die alten Japanischen Kampfkunst-Meister, von denen
sich einige für die „One strike - one kill“ - Mentalität
einsetzten, ihre erwachsenen Kämpfer so trainierten, daß die ihren
Gegnern den ersten Schlag erlauben würden?
Du fragst jetzt vielleicht, wie denn Boxer Schläge abwehren können
... Wenn du jedoch einen Boxkampf aufmerksam
beobachtest, stellst du fest, daß sich die Kontrahenten meist nicht in
Reichweite der Fäuste des Gegners aufhalten, sondern immer einen Schritt
außerhalb (also nicht in der Nahdistanz!). Auf diese Weise bleibt etwas
mehr Zeit zum reagieren, wenn der Gegner einen Fauststoß (mit einem
Schritt oder Sprung) einleitet. Nach einzelnen Schlägen und Kombinationen
zieht sich der Boxer jedoch möglichst immer wieder aus der Kampfdistanz
zurück. Im Boxkampf ist diese Methode sehr praktikabel, da die Kämpfer
Boxhandschuhe tragen und die Anzahl der Bewegungen durch ein Regelwerk
begrenzt ist. Aber selbst in dieser Distanz ist eine aktive Abwehr kaum möglich,
wie man in jedem Boxkampf sehen kann: Hauptbestandteil der Boxerabwehr
sind Meidbewegungen und passive Blocks mit Schultern und Handschuhen
(Schildwirkung). In der Nahdistanz gewinnt dann oft der, der mehr
einstecken kann.
In einem typische Straßenkampf kommen jedoch auch
Techniken zum Einsatz bei denen jeder Treffer kampfentscheidend sein kann.
Fingerstiche zu den Augen, Ellbogen-/Kniestöße, Angriffe zum Hals und
unter die Gürtellinie usw. - „auf der Straße“ gibt es keine Regeln!
Ich möchte nicht behaupten, daß das Boxen oder andere Kampfsportarten
nicht zur Selbstverteidigung geeignet wären. Nein! Gerade Boxer sind in
meinen Augen die Sportler mit der besten (Allround-) Kondition und haben
dadurch erhebliche Vorteile gegenüber einem „normalen“ Straßenschläger!
Aber Boxen ist in erster Linie ein Sport, nicht mehr und nicht weniger.
Die wichtigen Probleme eines realistischen Kampfes
sind grob gesagt: Der Gegner macht, was ER will.
Man selbst weiß nicht, was er vorhat. Er ist wahrscheinlich stärker.
WingTsun löst diese Probleme auf
eine sehr effektive, jedoch auch übungsintensive Art und Weise: durch Methode
a)! Angriff allein macht jedoch noch kein gutes Kampfsystem. Ohne
Eigendeckung kann man keinen Kampf gewinnen. Genauer wird die WT-Lösung
durch die Kampf- und Kraftprinzipien bestimmt. Alle WT-“Techniken“
folgen diesen Prinzipien, die Einzeltechnik ist immer dem Ganzen
untergeordnet! Dadurch wird die Methode "Angriff" zu einem in
sich abgeschlossenen System aus Angriff und Abwehr. Einige Erläuterungen
dazu gebe ich Ihnen jeweils im Anschluß.
Exkurs: Kuen
Mo Lai Yeung ist ein altes Motto im WT, das in der Übersetzung
"Die Faust kennt keine Manieren." lautet. Das bedeutet: Man darf
nicht höflich sein, d. h. dem Gegner nicht den Vortritt lassen. Man
sollte sich darüber klar sein, daß der erste Schlag, sowohl der letzte
und einzige Schlag eines Kampfes sein könnte. Im Kampf darf man nicht
warten, bis der Gegner angreift: Greife
also an, sobald du weißt, daß der Gegner die Absicht hat, anzugreifen
und daß dein Leben in Gefahr ist.
Trotzdem nie vergessen: Gewaltanwendung
- Soviel, wie nötig, so wenig wie möglich.
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